Warum ich jetzt Katrin Siemens statt Katrin Terwiel heiße

Ab sofort werde ich Mails anders unterschreiben. Auf Rechnungen wird ein neuer Name stehen, auf Verträgen, irgendwann auch auf dem Buchcover.  

Katrin Terwiel wird zu Katrin Siemens.

Das ist nicht nur für mich eine Umstellung, es ist auch nach außen irritierend. Schließlich habe ich viel für mein Personal Branding getan, alles ist auf meinem Namen aufgebaut. Wieso dann ein Wechsel? Ich bekomme gerade viele Glückwünsche zur Hochzeit. Die nicht stattgefunden hat. Vielmehr steht hinter dem Namenswechsel eine historische und feministische Geschichte.  

Meine Mutter ist eine geborene Siemens. Familie Siemens, ja, genau die Familie Siemens. Ich bin keine direkte Nachfahrin von Werner von Siemens, aber mein Großvater und Werner von Siemens teilen sich gemeinsame Vorfahren. Die Familie Siemens ist bis Ananis Siemens (* ca. 1538) dokumentiert und gilt damit als eine der am besten erforschtesten Familien Deutschlands.  

Seit 1873 kümmert sich die Familie systematisch um ihre eigene Geschichte. Damals gründete Leo Siemens den Familienverband mit Sitz in Goslar, seither wird das Familienarchiv im historischen Siemenshaus gepflegt und ausgebaut. Im Siemenshaus finden alle drei Jahre Familientreffen statt, die die Familienstiftung veranstaltet. Diese Stiftung regelt außerdem, wer zur Familie gehört und damit Stimmrecht erhält und im Stammbaum geführt wird.

Die jahrhunderte alte Satzung kannte dafür lange nur eine Logik. Die männliche Linie. Nur wer den Namen Siemens über den Vater bei der Geburt geerbt hat, gehörte offiziell dazu. Frauen, die Siemens hießen, konnten das nicht weitergeben.

Frauen, die Siemens hießen, konnten das nicht weitergeben.

Die Satzung ändert sich – und ich habe mit dafür gekämpft

Meine Generation hat für eine Veränderung gekämpft. Wir haben über Jahre dafür geworben, die Satzung geschlechtergerecht zu formulieren: wer geborene oder geborener Siemens ist und wer Kind einer geborenen oder eines geborenen Siemens ist, gehört dazu – unabhängig davon, ob der Elternteil, über den die Zugehörigkeit läuft, ein Mann oder eine Frau ist.

Diese neue Satzung ist inzwischen beschlossen. Aktuell geht es nur noch um die juristische Feinformulierung, die der Stiftungsrat in Braunschweig dieses Jahr final bestätigen soll – nach allem, was ich weiß, eine Formsache.

Warum ich das gerade jetzt zum Anlass nehme

Ich bekomme im November ein Kind. Und bevor mein Kind auf die Welt kommt, wollte ich diesen Schritt gehen – meinen Namen wechseln, während sich gleichzeitig die Regel ändert, die genau das für Frauen in meiner Familie bisher verhindert hat. Das ist mir wichtig genug, um es zusammenzudenken: der Namenswechsel als Teil davon, dass diese Weitergabe jetzt auch über Frauen funktioniert.

Was mich zusätzlich erstaunt hat: Wie unkompliziert das inzwischen rechtlich ist.

Meine Cousine hat vor einigen Jahren versucht, den Geburtsnamen ihrer Mutter anzunehmen, als sie Mutter wurde – und wurde von mehreren Standesämtern abgelehnt. Sie fand einmal eine Sachbearbeiterin, die zustimmte. Dann wechselte die Zuständigkeit, und die Genehmigung war wieder weg.

Seit der Reform des Ehenamens- und Geburtsnamensrechts, die am 1. Mai 2025 in Kraft getreten ist, dürfen Erwachsene in Deutschland einmalig ihren Geburtsnamen neu bestimmen – ganz ohne den früher nötigen Nachweis eines „wichtigen Grundes“.  

Vorher hätte ich vermutlich ein psychologisches Gutachten einreichen müssen, das belegt, dass ich unter meinem alten Namen leide. Das wäre schlicht gelogen gewesen. Ich mag den Namen Terwiel und habe eine sehr gute Beziehung zu meinem Vater. Der Name Terwiel ist auch meine Marke, mit allem, was ich in den letzten Jahren aufgebaut habe. Und ich mag den Bezug in die Niederlande, den er mitbringt. Genau deshalb fällt mir der Schritt auch nicht leicht – es geht nicht darum, etwas Altes loszuwerden, sondern etwas Neues bewusst zu wählen.

Seit Juni heiße ich nun also Katrin Siemens. Was dafür nötig war? Meine Mutter und ich mussten beide auf dem Standesamt mit unseren Geburtsurkunden erscheinen und unsere Einwilligung geben. Noch vor Ort wurde mir eine neue Geburtsurkunde erstellt.

Was sich für Dich ändert

Meine Marke wird künftig komplett auf Katrin Siemens laufen – auch beruflich, auch auf der Website, auch auf dem Buch, das im September bei Haufe erscheint. Der Umzug passiert nicht über Nacht: Domain, Signaturen, Social-Media-Profile, alles braucht seine Zeit. Falls Du in der Übergangszeit auf beide Namen triffst – Terwiel in älteren Artikeln oder Verlinkungen, Siemens in allem Neuen – jetzt weißt Du, warum.